Die Drei-Säulen-Logik der Altersvorsorge
Wer in Deutschland fürs Alter vorsorgt, plant in drei Säulen. Säule 1 ist die gesetzliche Rente — Pflicht für sozialversicherungs-pflichtige Arbeitnehmer, optional für viele Selbstständige. Sie liefert das Grundgerüst, deckt aber ein Standard-Rentenniveau von rund 48 Prozent des durchschnittlichen Bruttolohns ab. Wer den gewohnten Lebensstandard im Alter halten möchte, hat damit eine Lücke von typisch 30-45 Prozent zum aktuellen Netto-Einkommen.
Säule 2 ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) — arbeitgeber-vermittelte Versorgung mit fünf möglichen Durchführungswegen (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Direktzusage). Seit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz 2018 hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung nach §1a BetrAVG, und Arbeitgeber müssen einen Zuschuss von 15 Prozent leisten. Vorteil: Beiträge bis 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (rund 7.248 Euro/Jahr 2024) sind steuer- und sozialabgabefrei. Nachteil: Auszahlung im Alter ist voll zu versteuern und unterliegt der Krankenversicherungs-Pflicht.
Säule 3 ist die private Vorsorge mit den Spielarten Rürup, Riester, Privatrente und ergänzend ETF-Sparplan und Immobilie. Die Mischung wird individuell nach Berufsstatus, Steuersatz, Liquiditätsbedarf und Kinder-Anzahl gewählt — eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.
Rürup-Rente — wann sie für Selbstständige attraktiv ist
Die Rürup-Rente (offiziell Basisrente) wurde 2005 als Pendant zur gesetzlichen Rente für Selbstständige eingeführt. Ihre größte Stärke ist die steuerliche Förderung in der Anspar-Phase: Beiträge sind nach §10 EStG bis zum Höchstbetrag von 27.566 Euro pro Jahr (Single, Stand 2024) als Sonderausgaben absetzbar. Verheiratete kommen auf 55.132 Euro. Wer im aktuellen Steuersatz von 42 Prozent liegt, bekommt für 10.000 Euro Einzahlung rund 4.200 Euro Steuervorteil zurück.
Die Schattenseite: Rürup ist strikt verrentungs-pflichtig — keine Kapital-Auszahlung möglich. Vererbung nur an Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder. Pfändungsschutz nur bis 2.000 Euro pro Monat während der Anspar-Phase. In der Renten-Phase ist die Auszahlung voll zu versteuern (für Renten-Beginn 2024 zu 84 Prozent, steigend auf 100 Prozent ab 2058 — sogenannte Kohorten-Besteuerung). Ergebnis: Rürup lohnt sich primär bei hohem aktuellem Steuersatz und langer Anspar-Laufzeit ab etwa 20 Jahren.
Privatrente, Riester und ETF — die flexible Säule 3
Die Privatrente ist die ungeförderte Variante mit voller Flexibilität. Keine staatliche Förderung in der Anspar-Phase, dafür nur Ertragsanteils-Besteuerung in der Renten-Phase (Renten-Beginn 67: 17 Prozent steuerpflichtig, Stand 2024). Kapital-Auszahlung möglich, vererbbar, kündbar. Insbesondere für Mandanten ohne klares Renten-Modell sinnvoll — etwa für jüngere Selbstständige mit unsicherer Einkommens-Prognose oder für Angestellte mit Wunsch nach Liquidität im Alter.
Riester ist nach den Reformen 2023 nur noch eingeschränkt attraktiv. Vorteile: Grundzulage 175 Euro pro Jahr, zusätzlich 300 Euro Kinderzulage je nach 2008 geborenem Kind, plus Steuervorteil über den Sonderausgaben-Abzug. Nachteile: hohe Verwaltungskosten vieler Tarife, eingeschränkte Vererbbarkeit, lebenslange Verrentungs-Pflicht. Lohnt sich primär für Mandanten mit mehreren Kindern und hohem Steuersatz. Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform der geförderten Privatvorsorge — Aktualität ist hier in der Beratung Pflicht.
ETF-Sparplan ist keine Versicherung, sondern eine Kapitalanlage über Bank- oder Online-Broker-Konto. Hohe Rendite-Erwartung, aber kein Versicherungs-Mantel — keine Verrentungs-Option, kein Steuer-Stundungs-Effekt. Wer ETF und Versicherung mischen möchte, prüft die Fondspolice (Privatrente mit ETF-Anlage im Versicherungs-Mantel).
Was bei Altersvorsorge nicht vergessen werden darf
Die Altersvorsorge plant für ein langes Leben. Sie deckt aber nicht den umgekehrten Fall ab — den frühen Tod während der Anspar-Phase. Wer Familie hat, ergänzt deshalb eine Risiko-Lebensversicherung, die im Todesfall einen Kapital-Betrag an die Hinterbliebenen zahlt. Beitrag oft niedriger als ein Mittagessen, aber existenzieller Schutz für die offene Hypothek und das Familien-Einkommen. Eine Übersicht der acht Sparten zeigt, wie Altersvorsorge sich in den Gesamt-Schutz einfügt — und das Erstgespräch sortiert die Reihenfolge nach Ihrer konkreten Situation.
